Der Friedhof…

… ein Eldorado für Taugenichtse?

Mein geliebter Schatz ist noch nicht so lange tot. Begraben wurde er am 2. April. Bis dato habe ich Friedhöfe doch tatsächlich für würdevolle Orte gehalten, an denen Respekt und Pietät oberste Gebot sind. Also ich würde jedenfalls nicht auf die Idee kommen, an so einem Ort irgendwelchen Blödsinn zu machen. Aber irgendwie scheine ich da ziemlich alleine auf weiter Flur zu sein.

Wer einen geliebten Menschen verloren hat, hat das Bedürfnis, die letzte Ruhestätte zu hegen und zu pflegen.

Mein Mann war gerade mal drei Wochen begraben, da ist doch mindestens ein Depp über den Friedhof gelaufen, womöglich waren es aber auch mehrere Deppen. Das weiß ich nicht so genau. Egal, wie viele es waren. Jedenfalls hatte der Idiot oder hatten die Idioten rote Sprühfarben im Gepäck und damit haben sie Hakenkreuze gesprüht. Auf die Kapellentür, auf Leidensstationen Christi und auf Grabsteine.

Also mal ehrlich. Geht’s noch? Sprühen an sich ist ja per se immer mit Ärger für irgendjemanden verbunden. Besonders für die, deren Eigentum ungefragt als Selbstverwirklichungsfläche benutzt wurde. Aber auch ich ärgere mich oft, obwohl ich eigentumslos bin. Ich ärgere mich nicht nur weil die Schmierereien auf fremdes Eigentum angebracht worden sind, sondern weil sie dazu meistens auch noch grottenschlecht gemacht worden sind. Naja und Hakenkreuze sind im meinen Denken derart negativ besetzt, dass ich sie eigentlich nirgendwo sehen will.

Gerade am Anfang trägt man jedes einzelne Blümchen und jedes Accessoire wie ein Geschenk zum Grab.

Ich komme dann am Sonntagsvormittag auf dem Friedhof und Friedhöfe sind eigentlich sehr schöne Orte. Außer Vogelgezwitscher hört man dort so gut wie nix. Überall blühen Blumen. Man kann dort eigentlich sehr schön verweilen. Dementsprechend stehe ich wie gehabt in Gedanken versunken am Grab meines Mannes vor mich hin. Irgendwann lasse ich den Blick nach rechts zum Grab eines Bekannten schweifen und werde so auf die farbliche Umweltverschmutzung aufmerksam.

Mir ist fast der Kit aus der Brille geplatzt. Man hätte mir auch einfach in den Magen boxen können. Genau so hat es sich jedenfalls angefühlt, als ich die unwürdige Schmiererei erblickte.Ich frage mich, wie hirnlos man sein muss, um ausgerechnet dieses Menschen verachtende Symbol irgendwohin zu sprühen. Ich grübel sogar darüber nach, ob es so etwas, wie einen negativen Intelligenzquotienten geben könnte. Wie mag es wohl den Angehörigen der Verstorbenen gehen, deren Grabsteine derartig entehrt worden sind? Und die Beerdigung eines geliebten Menschen mit Hakenkreuz an der Kapellentür, würde mir auch sowas von quer runter gehen.

Für mich ist jedes einzelne Blümchen auf dem Grab meines Mannes ein Symbol der Liebe, die uns verbindet.

Am nächsten Tag komme ich dann wieder mal auf den Friedhof, so wie jeden Tag und dieses Mal stehe ich da vor dem Grab meines Mannes und kann nicht glauben, was ich da sehe, bzw. was ich da nicht mehr sehe. Da hat mir doch tatsächlich jemand die 2,99 Euro teure Grabvase mit samt dem sich darin befindenden schon etwas älteren Tulpenstrauß vom Grab geklaut. Gesamtwert 9 Euro. Also eigentlich so gut wie wertlos. Das wollte mir überhaupt nicht in den Kopf gehen und angesichts der Schmierereien vom Vortag habe ich mich ganz  bestürzt gefragt, an was für einen Ort ich meinen toten Mann gebracht habe?

Es hat ein paar Tage gedauert, bis ich mich von dem Schock erholt habe. Ich meine, da stirbt Dir der Mann. Das alleine ist schon schwer genug. Zu allem Überfluss hat man dadurch dann auch noch jede Menge Verwaltungskram an der Backe, der sich zum Teil sehr nervenaufreibend gestalten kann. Das Geld wird auch knapp, weil jede Menge Rechnungen ins Haus flattern und bis die Witwenrenten regelmäßig überwiesen sind, dauert es ein bissel. Und in so einer Situation klaut dir dann jemand die Blumen, die Du mit viel Liebe an den Ort getragen hast, an dem Du deine Trauer ausdrückst. Das ist dann das Tröpfchen, dass das Fass zum Überlaufen bringt.

Und wenn mir dann so ein Spacko die Blumen vom Grab klaut, fühle ich mich in meiner Trauer sehr verletzt.

Genau acht Tage später war ich dann mit Schwager und Schwägerin in der Lieblingseisdiele meines Mannes und von da sind wir fröhlich zum Friedhof gegangen, weil wir unserem Schatz neue Kerzen anzünden wollten. Und was sehe ich. Das Hakenkreuz in der Nähe des Grabes meines Mannes ist weg. Schön! Und die Tausendschönchen in der von mir bepflanzten Schale? AUCH WEG!!!  Einfach herausgerissen und mitgenommen. Da fällt mir ehrlich gesagt wirklich gar nichts mehr zu ein. So etwas hätte ich nie für möglich gehalten.

Mittlerweile bin ich aber aufgeklärt worden. Auf Friedhöfen wird geklaut, wie sonst nirgendwo. Ich wollte Bronzebuchstaben auf den Grabstein machen lassen und eine teure Lampe aus Bronze auf dem Grab anbringen. Nach einem vertraulichen Gespräch mit dem Steinmetz lasse ich das jetzt bleiben. Solche Artikel können Taugenichtse nämlich ziemlich gut als Altmetall verscherbeln und dementsprechend rabiat gehen sie bisweilen auf Diebestour. Auf unserer neuen billigen Blumenvase steht nun der Name von meinem Mann. Die wird sich ja wohl jetzt keiner mehr auf das Grab seiner Angehörigen stellen wollen. Tja und was den Blumenklau betrifft, bin ich echt am überlegen, ob ich Gänseblümchen aufs Grab pflanze. Die gibt es überall für umme. Die muss man nicht von fremden Gräbern klauen.

Er ist nicht weg …

… ich kann Ihn nur nicht mehr sehen

In der Nacht von Ostersonntag auf Ostermontag, kurz nach Mitternacht, hat sich mein geliebter Mann aus einer für uns Menschen hier schier ausweglosen Situation befreit, indem er einfach seinen letzten Schritt gegangen ist. In dem Moment, als er starb, war ich ganz dicht bei ihm und so konnte ich ihm sagen, dass ich mich für ihn freue, weil er all sein Leiden hinter sich gelassen hat und ich konnte ihm eine gute Reise wünschen. Zusammen mit meiner Schwägerin und meinem Schwager saß ich noch eine ganze Weile bei ihm am Bett, nachdem die Krankenschwestern ihn von all den Schläuchen und Geräten befreit hatten und in dem kalten Krankenzimmer für eine dem Anlass würdige sehr beschauliche Stimmung gesorgt hatten. Fasziniert beobachteten wir, wie sich das sehr friedlich wirkende Gesicht meines Mannes nach und nach noch weiter entspannte. Je länger wir bei ihm saßen, desto schöner wurde es.

Mein geliebter Schatz hat geahnt, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleiben wird. In den letzten 15 Monaten hat er immer wieder zu mir gesagt, dass ich stark sein müsse, wenn er mal ginge. Er hat sich Sorgen um mich gemacht und er hatte große Angst davor, dass ich vor lauter Trauer in ein tiefes Loch falle, und dass ich alleine den Alltag nicht bewältigt bekommen würde. Ganz unbegründet waren seinen Befürchtungen auch nicht. In den letzten 10 Jahren war mein Mann der Anker in meinem Leben, der meinem Tag eine Struktur gab und mich vor Depressionen bewahrte. Verständlicherweise war also seine größte Sorge die, was aus mir werden würde, wenn er mal nicht mehr sein wird.

Als er dann dem Tode nahe in einem künstlichen Koma im Krankenhaus verweilte, wurde mir die seelsorgerische Begleitung durch eine Ordensschwester angeboten. Diese Stütze nahm ich gerne an und ich erlebte sie als etwas sehr hilfreiches. Schon am ersten Tag schenkte mir Sr. Silva ein kleines Holzkreuz und seit diesem Tag halte ich mich daran fest. Abends wenn ich zu Bett gehe, nehme ich es in die Hand und morgens wenn ich aufwache liegt es noch immer darin. Schon bei unsere ersten Begegnung erzählte ich Sr. Silva, dass mein Mann immer wieder zu mir gesagt hätte, wenn er ging, müsse ich stark sein und sie antwortete mir: “sie werden sehen, wenn es soweit ist, wird er (mein Mann) ihnen diese Stärke geben”. Damals habe ich mir nicht vorstellen können, wie sehr sich diese Aussage bewahrheiten sollte.

In der Nacht nach seinem Tod hatte ich einen Traum, in dem ich mich mit meinem Mann unterhielt. Während ich es träumte, hatte ich das Gefühl, mein geliebter Schatz wäre wirklich bei mir. Nachdem wir besprochen und geklärt hatten, was mir auf der Seele lag und mein Mann sagte, dass alles in Ordnung wäre, zeigte mir etwas und in dem er es mir zeigte, bekam ich eine Vorstellung davon, was ich bis zu seiner Beerdigung zu tun habe und wie ich es machen soll. Auf diese Weise hat mein Mann seine Beerdigung im Prinzip selbst gestaltet und geplant. Nachdem dieser sehr intensive Traum zu Ende war, bin ich aufgewacht und erlebte etwas unfassbar schönes, was mein Leben völlig verändert hat.

Ich spürte in mir und überall um mich herum einen tiefen Frieden und unendliche Liebe. Ich fühlte mich eingehüllt in die Liebe meines Mannes. Alles, was mich umgab, war mit sich und mir in Vollkommenheit im Einklang. Das was ich in dieser Nacht erlebte, ist eine Erfahrung, die ich nie in meinem Leben vergessen werde oder wollen würde. Ich lag Stunden lang wach im Bett, erfüllt von Zufriedenheit und dem wunderbaren Gefühl, dass mein Mann ganz dicht bei mir ist und das ich über alles geliebt werde. Dieses wahrhaft wundersame Erlebnis hat etwas in mir verändert. Ich könnte auch sagen, es war überaus heilsam. Denn der Schmerz und die lähmende Trauer in mir, vor der sich mein Mann so sehr gefürchtet hatte, war verschwunden, so als ob er selbst einen Weg gefunden hätte, sie von mir zu nehmen.

In meinem Herzen ist mein größter Schatz immer bei mir

Das mein Mann gestorben ist, fühlte sich schon von dem Moment an richtig an, in dem er gegangen ist. Nach dem Traum und der Begegnung danach war der Gedanke, dass ich ihn verloren habe, der Gewissheit gewichen, dass er in anderer Form noch immer bei mir ist. Natürlich kann ich es nicht beweisen. Aber ich für mich weiß jetzt, dass der Tod nicht das Ende ist und das reicht mir vollkommen aus. Es ist nicht meine Aufgabe, Überzeugungsarbeit zu leisten. Mein Mann ist noch immer da und ich trage ihn in meinem Herzen stets bei mir.  In dem dieser Gedanke in mich hinein gelegt wurde, hat der Tod für mich seinen Schrecken verloren. Ich habe keine Angst mehr vor ihm, auch wenn ich selbst noch nicht sterben möchte. Dafür habe ich noch keine Zeit. Bevor ich gehen kann, muss ich noch einige Dinge erledigen und viele Dinge tun. Ich muss noch leben!!!

Ich will die Natur genießen und mich eins mit der Welt fühlen

Als erstes werde ich in den nächsten Wochen in die Erdgeschosswohnung einziehen, in der ich eigentlich mit meinem zusammen Mann leben wollte. Nun richte ich mir da ne schicke “Mädchenbude” mit einem vom Konzept abweichenden Fußballzimmer ein. Außerdem will ich mir die Welt und vor allem die Natur anschauen, denn in der Natur fühle ich mich meinem Mann besonders nahe. In der schweren Zeit, in der ich wie Hachiko an dem Krankenbett meines Mannes saß und vergebens darauf hoffte, dass mein Mann zurück zu mir ins Leben kommen könnte, sind Freundschaften und Familienbande aufgeblüht, die ich pflegen und aufrecht erhalten möchte. Während ich Stunde um Stunde die Hand meines Mannes hielt, keimte in mir der Vorsatz zukünftig Engel zu malen. Mittlerweile weiß ich, dass  Beach Pebbles das Medium sein werde, auf denen ich sie festhalte. Meine Schwägerin hat mich auf die Idee gebracht, dass ich lernen könnte, ein Pferd zu führen. Und dann sind da noch Vogel- und Kräuterwanderungen, die Stadt Berlin, in Holland ein Entenkooi und dieTulpenfelder in der Blütezeit … Es gibt viel zu erkundschaften und nun ist die Zeit gekommen, es zu tun.

In diesem Moment war ich stolz auf mich

Manche werden es vielleicht müde belächeln. Aber ich glaube ganz fest daran, dass mich mein Mann geführt hat,  während er im künstlichen Koma liegend um sein Leben kämpfte. Er hat mir nach und nach den Weg vor Augen geführt, von dem er sich wünscht, dass ich ihn gehen soll und er hat mir nach seinem Tod die nötige Stärke gegeben, damit ich mich umgehend beschwingten Schrittes aufmachen kann, mein Leben so positiv zu gestalten, dass ich ein glücklicher Mensch werde. Denn das ist es, worum es im Leben geht. Mit einem Mal war ich voller Pläne und in Gedanken höre ich meinen Mann förmlich sagen: “Lilito, mach dir das Leben ein bisschen süß”. Ich bin wild dazu entschlossen, genau das  in die Tat umzusetzen und von nun an negative Schwingen und Menschen, die sie verbreiten von mir fern zu halten. Das Leben ist viel zu kurz, um es mit Missgunst, Groll und Verbitterung zu vertun.

Glück im Unglück …

Patella-Luxation …. durch Physiotherapie der Operation entgangen

Irgendwann, so um den 1. April herum, kam Luna auf die Idee, dass ihr dickes Frauchen ihr Geld zur Abwechslung mal verstärkt zum Tierarzt tragen könnte. Es fing alles mit einer wilden Toberei auf den Schützenplatz an. Mit Amy, Charlie und Percy wurde über das Gelände gefegt und meine kleine Rennsemmel immer vorneweg. Plötzlich beobachte ich bei meinem Schätzchen folgendes Phänomen: über Stock und über Steine … dann benutze ich nur drei Beine …

Nach dem erfolgreichen Muskelaufbau fing in der Physiotherapie der Schwimm-unterricht an.

Da habe ich mir noch nichts dabei gedacht. Ich habe angenommen, Luna hätte sich einfach nur vertreten. Aber ich das Phänomen an den nächsten zwei Tagen immer wieder beobachtete, habe ich meinen Schlurch natürlich zum Tierarzt gebracht und die Ursache war schnell gefunden. Patella-Luxation! Das ist natürlich ein Befund, den kein Hundebesitzer gerne hört.Unser Tierarzt riet uns dann auch zur Operation und aus seiner Sicht war das bestimmt richtig. Denn er konnte die Kniescheibe im linken Hinterlauf ganz einfach luxieren. Es war klar, das die Problematik ohne Behandlung weiter bestehen bleiben würde, was auf kurz oder lang zu Arthrose in dem Gelenk führen würde.

Zwei Tage später humpelte Luna dann vorne rechts. Den Vorderlauf wollte mein Schätzchen nun auch nicht mehr belasten. Voller Angst habe ich meinen Schatz ins Auto gepackt und dann ging es wieder ab zu unseren Tierarzt. Diesmal gab es eine Röntgenuntersuchung und während ich auf das Ergebnis wartete, bibberte ich innerlich vor Angst. Da Luna ihre Vorderöfötchen stark nach außen dreht, habe ich mir schon oft gedanken darüber gemacht, ob Luna an Radius Curvus leiden könnte und nun befürchtete ich, dass genau dies diagnostiziert werden würde

Um die aufgebaute Muskulatur zu erhalten, wird Luna von nun an 1 Mal pro Monat zum Schwimmen gehen müssen.

Aber wir hatten Glück. Der Vorderlauf war in Ordnung und das Humpeln war nur die Folge der Schonhaltung, die Luna beim Laufen eingenommen  hatte, um den linken Hinterlauf zu entlasten. Am Ende der Untersuchung besprachen der Tierarzt und ich sogar schon den Termin für die Patella-OP. Bis es soweit sein sollte, sollte aber noch etwas Zeit vergehen, weil ich erst die Läufigkeit abwarten wollte und das sollte sich als Segen erweisen, denn in einem Hundeforum brachte mich Jemand auf die Idee, mir eine zweite Meinung einzuholen und schließlich riet mir ein anderes Forumsmitglied, zu einem Hundephysiotherapeuten zu gehen.

Nichts leichter als das, sagte ich mir. Denn die Tierphysiotherapie ist gleich neben der Tierarztpraxis und so machte ich umgehend einen Termin dort aus und schon ein paar Tage später ging es los. Während der Eingangsuntersuchung zeigte sich, dass Luna an den hinteren Extremitäten auf der linken Seite schon viel Muskulatur abgebaut hatte. Im Nackenbereich war sie sehr verspannt und im  Hüftbereich und am Kniegelenk gab es sogar schmerzhafte Punkte. All dies zeigte, dass Luna schon ziemlich lange im Schongang gelaufen sein musste.

Nach dem Schwimmen geht es im Nebenzimmer unter die Rotlichlampe zur Massage.

Nach der Erstuntersuchung fing umgehend damit an, auf dem Unterwasserlaufband zu laufen. Im Anschluss daran gab es dann eine Massage mit abschließender Laserakupunktur. Zehn Termine sollte der Behandlungsblock umfassen und während ich noch grübelte, ob das reichen würde, baute mein Hund ganz schnell Muskulatur auf. Da die Physiotherapeutin sehr eng mit den Tierärzten nebenan zusammen arbeiten, erfuhr ich schon beim zweiten Termin, dass unser Doktor die Behandlung befürwortete. Nach der fünften oder sechsten Einheit wurde dann offensichtlich, dass Luna schon ewig lange Probleme am Hinterlauf gehabt haben musste.

Es war wirklich erstaunlich mit anzusehen, wie sich schon nach wenigen Behandlungen das Gangbild veränderte. Besonders deutlich zeigt sich der Erfolg, wenn Luna nun los sprintet. Früher zog sie den linken Hinterlauf immer nach und ich dachte immer, dass es normal sei. Klar es sah merkwürdig aus. Aber ich kannte es nicht anders von ihr und deshalb nahm ich an, dass dieses seltsame Laufen von ihrem dackeligen Körperbau herrühren würde. Heute weiß ich, dass ich falsch lag, denn jetzt gibt es den Linksdrall nicht mehr. Mittlerweile sind die Bewegungsabläufe symmetrisch und harmonisch, weil beim rennen die Hinterläufe gleichmäßig belastet werden.

Zur Massage gehört auch von der Physiotherapeutin mit Lieblingswurst bestochen zu werden.

Während ich mein Geld nun brav zur Physiotherapeutin trug, leistete sich Luna so nebenbei noch eine Darmentzündung, gefolgt von einer Mandelentzündung, so als ob sie sagen wollte, der Tierarzt nebenan soll auch nicht leben wie ein Hund, dem bringen wir als Entschädigung für die ausgefallene Operation einfach noch ein paar Euros vorbei. Zähneknirschend ergab ich mich meinem Schicksal und ganz nebenbei nutzte ich die Gelgenheit, um an der Patienten-Arzt-Beziehung zu arbeiten, denn es war erkennbar, dass Luna unserem Dr. Becker mit wachsenden Mißtrauen begegnete. Seit dem bringe ich ihm nun immer Fleischwurst als Bestechungsgeld mit, damit er sich damit neue Steine bei Luna ins Brett legen kann, denn ein schnödes Leckerchen nimmt sie ihm nicht mehr ab.

 

 

Einer geht noch …

… einer geht noch rein!

Was ein echter Jagdhund ist, der verschwindet auch schon mal in einem Mauseloch so gut es eben geht.

Nein … der Artikel handelt nicht von dem Runden, das ins Eckige hinein soll. Zwar besitzt Luna eine besondere Affinität zu dem Runden, das Eckige hat sie jedoch nicht für sich entdeckt. Das ist auch nicht weiter verwunderlich. Luna ist ein Jagdhund und kein Hütehund. Einem fliegenden Ball nachjagen findet sie Klasse. Einen großen Ball selbst in ein Tor treiben findet sie … ähm … sowas von  … äh … ist ja langweilig … gähn … Es heißt zwar, dass der Hütetrieb auch eine Form des Jagens ist. Aber mein schlappohriges Schlitzohr will die Beute greifen und nicht  fein säuberlich in einen Pferch zusammen treiben.

Erst wird nach rechts geschaut ...

Das mit dem Fußball eng verwobene Motto habe ich mir zwecks Zweckentfremdung mal eben ausgeliehen, weil es exakt das auf den Punkt bringt, was mich kürzlich besonders nervte. Statt um Bälle geht es hier um Leckerchen. Natürlich kann die Delikatesse auch rund sein. Aber und das ist das hüpfende Komma, meine Luna ist eigentlich nicht eckig, selbst wenn sie bisweilen so ihre Ecken und Kanten hat. Zum Beispiel macht sie ihr Maul gerne ganz weit auf, wenn so eine kleine Köstlichkeit im Anmarsch ist und sie kann ziemlich penetrant werden, wenn es darum geht, die Begehrlichkeit zu bekommen. Mein Sonnenscheinchen ist nämlich verfressen. Es würde sich so einen kleinen Extrahapps niemals entgehen lassen.

... dann wird nach links geschaut ...

Wie gesagt, Luna ist ein Jagdhund. Beutemachen ist ihr Ding. Wenn ich mit ihr unterwegs bin und sie dabei in den Genuss der Vorzüge des Freilaufs kommen soll, muss ich dafür sorgen, dass ich sehr sehr spannend für sie bleiben. Sonst kommt mein Madamchen sehr schnell auf dumme Ideen und schwupps … ist es weg. Vogeljagd, Hasenjagd, Rehfährten folgen … Gründe findet Luna zu Hauf, um zu vergessen, dass sie in Begleitung eines Zweibeiners unterwegs ist. So ist das eben. Wenn der Jagdtrieb erwacht, verliert meine pelzige Freundin ganz schnell die Bindung zum Frauchen. Sie ist eben kein genügsamer Mops, der weiter keine großen Ansprüche stellt,  wie den, nahe bei seinem Menschen sein zu dürfen.

... und dann wird sich auch ein mal hingesetzt.

Im Vergleich mit einem reinen Begleithund, ist es viel schwieriger einen Hund zu führen, der so viele Jagdgene in sich trägt, wie mein Lunchen. Um meinem Hundemädchen gerecht zu werden, muss ich dafür Sorge tragen, dass es seinen Jagdtrieb ausleben darf und da ich es nicht im Wald herum pesen lassen kann, bis es einen Hasen oder einen Vogel erwischt hat, habe ich schlicht und ergreifend sein Futter zur Beute “umgemünzt”. Dem geworfenen Futterbeutel hinterher jagen, um ihn zu apportieren, meiner Fährte folgen, um einen heimlich versteckten Futterbeutel aufzuspüren, kleine Futterstückchen im Gras erschnüffeln oder in Baumrinde gepresste Leckerchen suchen … all das dient nur einem Zweck und zwar dem, Lunas Jagdtrieb umzulenken.

Lunas Ohrbellen sind wunderbar gewachsen. Das ehedem große weiße Herz auf der Stirn ist dafür ziemlich geschrumpft.

So und nun kommen wir zum eigentlichen Thema. Es gibt Leute, die gleich eines Futterautomaten wahllos nur so mit Leckerchen “um sich werfen”, wenn sie ihren eigenen Hund Gassi führen und dabei auf einen anderen Vierbeiner samt seines Halters treffen. Nun ist es ja so. Was jemand mit seinem eigenen Hund macht, kann mir egal sein. Ärgerlich wird es erst, wenn es mein Hund ist, in den so Zeug wie Frolic und Co hinein gestopft werden soll. Gut, als Luna ein Welpe war, habe ich das gerne zugelassen, weil ich es als eine positive Umwelterfahrung gewertet habe. Doch Lernerfahrungen, die einem Welpen helfen, die Welt als wohligen Ort wahrzunehmen, können einen Junghund unter Umständen zum Größenwahn verleiten.

... und wieder ein Mal streckt Luna ihren hüschen Po der Kamera entgegen.

Zumindest war es bei Luna so. Plötzlich wähnte sie sich als Königin des Tegelwegs. Wie sollte es auch anders sein. Schließlich zollten ihr alle paar Meter die  ”Untertanen” ihren Tribut. Also entschied mein Hund bei den  ”Steuerzahlern”, dass er schnurstracks zu ihnen hinrennen muss, sobald diese am Horizont auftauchten. Frauchens Einwände verklangen ungehört. Schließlich war die Entscheidung aus Hundesicht sinnvoll. Immerhin muss der pelzige “Hochadel” bei mir für alles, was essbar ist, Leistung erbringen. Manchmal reicht es zwar schon aus, ein Kommando korrekt auszuführen. Aber trotzdem. An den zweibeinigen Futterautomaten gibt es  Beute für lau. Ergo wurde in meine Richtung die Anarchie ausgerufen, um selbst im eigenen Thronsaal huldvoll den Platz einnehmen zu können.

Und nicht nur das. Gemäß dem Motto: “rück gefälligst das Futter raus, deswegen rennst Du doch hier rum”, wurde Luna immer penetranter, um das vermeintliche Anrecht auf eine kleine Zwischenmalzeit geltend zu machen. Und wehe, es ging meinem Madamchen nicht schnell genug oder, und solche Vorkommnisse fand meine kleine Diva weitaus empörender, der Lieferservice hatte frecherweise gerade mal keine Gratis-Hundepizza dabei. Solche Schludrigkeiten wurden von meiner pubertierenden Hundegöre nicht gern gesehen. In solchen Fällen wurde gebellt, gepöbelt und an den Leuten hochgesprungen und die Ironie des Ganzen war, dass die Lakaien nicht einmal bemerkten, dass mein Hund sie massiv maßregelt.

Für das schöne Portrait wurde Luna mit einem Stück selbst getrocknetem Hühnerherz belohnt.

Hundehalter, die erkennen, dass sich mein Schätzchen unmöglich benahm, können nachvollziehen, dass ich meiner jungen Wilden den Zahn des Größenwahns kurz und schmerzlos ziehen wollte. Nichts einfacher als das, dachte ich mir. Ich sage den betreffenden Leuten einfach, dass sie Luna nicht mehr füttern dürfen. Fertig. Von wegen! Aus Erfahrung weiß ich mittlerweile, dass so ein Vorgehen im Zweifelsfall nur in zwei von drei Fällen zum Erfolg führt. Zumindest habe ich es so erlebt. Zwei der spendablen Hundefreunde hörten umgehend damit auf, meinen Hund mit Futter zu umgarnen und es dauerte nicht lange, bis Luna sich nicht mehr dazu veranlasst sah, an ihnen hoch zu springen und sie anzubellen.

Hier schmeißt sich Luna geduldig noch ein Mal für ein Leckerchen in Pose.

Dem Dritten im Bunde will mein Verbot überhaupt nicht einleuchten. Seit Monaten versucht er nun schon, mit mir zu verhandeln. “Nur eins”, fleht er mich zu jeder Gelegenheit an. Als ob es bei dem Einen bleiben würde. Ich sag  nur eins: “wehret den Anfängen”. Außerdem würde mein kleiner Strolch die Ausnahme nicht verstehen. In dem Punkt ist er durch und durch ein Kooikerhondje. Es gilt hier barfuß oder Lackschuh. Mal so, mal so, geht gar nicht. Luna weiß die Konsequenz durchaus zu schätzen, über die im Zusammenhang mit dem Kooiker gerne gesprochen wird. In den letzten Monaten habe ich versucht, dem Gönner mit den Spendierhosen gebetsmühlenartig und völlig umsonst all die hier angesprochenen Aspekte zu erklären. Doch egal was ich anführe, er will es nicht akzeptieren.

Links ist alles in Ordnung in meinem Revier.

Mittlerweile denke ich, dass ich in seinen Augen eine herzlose Hundehalterin bin, die ihren Hund durch das Aufstellen von Regeln absichtlich quält. Tierliebe geht für ihn eindeutig durch den Magen. Wenn mein Hund ihn lieb anschaut, will er ihn mit Futter dafür belohnen. Wenn mein Hund an ihm rumspringt, möchte er ihm dafür ein Leckerchen geben. Schließlich will er was haben. Wenn Luna ihn anbellt, will sie natürlich auch etwas haben und wenn es nach dem vermeintlichen Wohltäter ginge, würde sie es natürlich auch bekommen. Diese falsch verstandene Liebe zum Hund und den Zwang des Fütterns lässt sich an seinem eigenen Vierbeiner gut ablesen. Sein in die Jahre gekommener Hund ist nämlich viel zu dick und so quält er sich mit zu viel Gewicht und Arthrose durch den Herbst seines Leben.

Auch Rechts ist alles im grünen Bereich.

Selbst übergewichtig, habe ich mir geschworen, dass ich meiner Luna die Bürde erspare und ich tue weise daran, weil Luna “dackelige” Vorderläufe hat. Im Prinzip ist es wie ein Radius Curvus, der unauffällig verläuft und genau so soll es auch bleiben. Deswegen achte ich auf Lunas Ernährung und Leckerchen von anderen Leuten plane ich natürlich nicht mit ein. Nachdem ich dem fütterwütigen Hundefreund mehrmals verdeutlicht habe, dass für ihn in Bezug auf meinen Hund das Motto: “einer geht noch, einer geht noch rein …” grundsätzlich nicht gilt und er trotzdem nicht aufgibt, gehe ich ihm nun geflissentlich aus dem Weg, damit Luna und ich den Tegelweg entlang gehen können, ohne dass meine Autorität in Frage gestellt wird.

Für eine Belohnung von mir schaut Luna auch gerne noch in die Richtung der Kamera.

Genau das passiert nämlich jedes Mal, wenn wir aufeinandertreffen und Luna ist in einem Alter, in dem unsere Rangfolge immer wieder auf dem Prüfstand steht. Zudem ist mein Schätzchen ein sensibles und reizempfängliches Wesen. Es wittert seine Chance, sobald die Diskussion ums “füttern dürfen” losgeht. Rubbeldiekatz kommt es in einen Interessenskonflikt. Denn um die begehrte Leckerei zu bekommen, muss Luna sich über meine Kommandos hinweg setzen und  so ein “Sitz” oder “Bleib” wirkt aus der Perspektive eines hibbeligen Hundes eher unangebracht, wenn ein Dritter mit Futter vor seiner Nase herum fuchtelt. Da kann ein Jagdhund schon mal denken: “sag mal Frauchen, hast Du den Schuss nicht gehört? Ich kann gerade nicht folgen. Direkt vor unserer Nase wartet Beute auf M I C H.”

Ein letzter Blick zurück in den Wald des Schützenhofs und dann geht der Nachmittagsspaziergang dort auch schon zu Ende.

Die Entscheidung, die Straßenseite zu wechseln, wenn der laufende Futterautomat mit seinem überfütterten Hund im Anmarsch ist, habe ich mir nicht leicht gemacht. Aber letztendlich ist die Bindung zwischen mir und meinem Hund wichtiger, als ein Fremder, der eine völlig andere Auffassung von Hundehaltung hat, wie ich. Er ist zu unwichtig und es ist egal, dass er nicht versteht, warum er seine Frolics für sich behalten soll. Das Einzige was zählt, ist zu wissen, warum ich es tue. Schließlich kenne ich meinen Hund am besten. Ich weiß was gut für ihn ist und woran wir noch arbeiten müssen. Vor allem weiß ich aber, dass mein Hund auch ohne Gratisleckerchen ein tolles Leben hat.

Ein sicherer Ort für die böse Silvesternacht!

… Lunas Frauchen ist nicht nur dick …

es ist auch klug und dementsprechend hat es in weiser Voraussicht dafür gesorgt, dass die kleine pelzige Freundin während der mitternächtlichen Böllerei an Silvester, die wie ein Weltuntergang anmutet, nicht wieder voller Angst vergeblich nach einem Fluchtweg suchen muss. 2012 in der Silvesternacht, als das Feuerweg los ging, ist Luna zu Tode erschrocken aus ihrer Box geflohen und wusste nicht, wie und wo sie sich vor dem Angst auslösenden Lärm in Sicherheit bringen könnte. Das Häufchen Elend, das daraufhin an den Folgetagen jedesmal angstvoll neben der Wohnzimmertür kauerte, wenn es draußen kurz knallte, hat sich tief in meinem Gedächtnis eingebrannt.

Luna findet Silvester blöd. Aber das pfiffige Frauchen hat ihre Box zu einer sicheren Höhle umgebaut.

Die Hilflosigkeit wollte ich meinem Fellnäschen dieses Jahr unbedingt ersparen. Da kam es mir sehr gelegen, dass Luna in einer riesigen Box von der Firma Trixie schläft. Mit den Maßen 62 x 93 x 69 cm wirkt er Drahtkäfig für einen Hund wie Luna auf den ersten Blick ein wenig überdimensioniert. Zumindest was die Höhe betrifft, denn wenn sich mein kleiner Faulpelz richtig lang macht, wird ersichtlich, dass die Größe durchaus angebracht ist. Damit sich Luna in der Box wohlfühlt, habe ich dafür gesorgt, dass in ihr ein gemütlicher Höhlencharakter vorherrscht. Aus diesem Grund steht das etwas sperrige Möbel in einer, von mir extra dafür geschaffenen, ruhigen Niesche in meinem Zimmer und da es in einer Höhle eher dunkel ist, liegt auf der Box eine dicke Decke, die an den Seiten weit runter hängt.

Ursprünglich habe ich die Box angeschafft, um Luna vor Kinderbesuch in Sicherheit bringen zu können. Luna ist süss und meine Großnichte Marie ist tierverliebt. Wenn sie bei uns zu Besuch ist, käme meine kleine Freundin auf vier Pfoten nicht zur Ruhe, wenn ich sie nicht zwischendurch für eine Weile kindersicher verpackt “wegräume”. Es gibt nicht viele Situationen, in der ich die Box verschließe. Zu dem Mittel greife ich nur, um Luna ein Time out zu ermöglichen. Mein Sonnenschein ist eine sensible und reizempfängliche Hündin. Damit sie entspannen kann, muss sie ignoriert werden und genau dass bekommen Kinder nicht hin. Denn in unserem Fall bedeutet Ignorieren, den Hund nicht ansprechen, nicht hinschauen und nicht über ihn reden.

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Früher habe ich Musik gemacht und deshalb weiß ich, dass Übungsräume oft von oben bis unten mit alten Matratzen ausgekleidet waren, um den Schall zu dämmen. Also dachte sich Lilo G.: “Silvester??? Nichts leichter als das!!! Lunas Box wird Schall isolierend aufgerüstet”. Es war einfach. Wir besitzen eine dreigliedrige Klappmatratze aus Schaumstoff. Die ist genau so breit, wie die Box hoch ist. Ich habe die Matratze einfach in die Box gestellt und aufgeklappt. Schwupps waren die Rückwand und die beiden Seitenwände komplett ausgepolstert. Von oben dienten ein Liegekissen und vier Lagen einer wattierten Patchworkdecke als Schallschutz. An der Vorderseite hing die Decke doppellagig so tief herab, dass nur noch eine Lüftungszone in Bodennähe übrig blieb.

Auf dem Boden der Box lag das vertraute dicke Liegekissen und so zeigte sich Luna von den Umbaumaßnahmen wenig irritiert. Am Abend hat sie sich zur gewohnten Zeit wie üblich in ihre Box verzogen. Als das Geballere ein paar Minuten nach Mitternacht auf den Höhepunkt zusteuerte, kam sie kurz daraus hervor. Als sie sah, dass ihr dickes Frauchen zwar wach aber trotz der Knallerei völlig entspannt auf ihrem Bett liegt, drehte sie sich um und verschwand wieder. Ich vermute, dass mein Schätzchen sehr schnell begriffen hat, dass es in seiner Höhle sicher aufgehoben ist. Immerhin ging es während des Geknalles Dank der Schallisolierung dort drinnen viel ruhiger zu. Und es hat gesehen, dass Frauchen sich kümmert. Denn es war wach, hatte das Licht angeschaltet, war aufmerksam und … lag trotzdem ganz entspannt im Bett.

Hilfe! Mein Hund hört beim Gassigehen nicht auf mich …

… er ignoriert mich und macht was er will!

Übungen mit dem Futterbeutel bilden mittlerweile ein Highlight beim Gassigehen

Zu dem Thema habe ich Google schon unzählige Male befragt und so weiß ich, dass ich mit dem Problem nicht alleine auf der Welt war, bzw. dass ich mich nicht alleine damit auseinander setzen musste. In den Foren rund um das Thema “Mein Hund und ich” fand ich auch jede Menge gut gemeinte Ratschläge. Die meisten zielten darauf ab, dass Herrchen oder Frauchen dafür sorgen muss, dass er bzw. sie stets das Allerspannendste für seinen oder ihren Hund auf der Welt bleibt. Oft werden dann auch noch Tipps gegeben, wie der Ratsuchende das erreichen könnte.

Genutzt hat mir das alles nicht. Ich hätte mich draußen auch auf den Kopf stellen und mit den Füßen Vögel fangen können, Luna hätte sich wohl nicht dafür interessiert. Für sie habe ich draußen einfach nicht mehr existiert. Klick hat es b ei mir gemacht, als mir Joanne die brachiale Hausaufgabe auferlegte, Luna drei Tage lang komplett zu ignorieren und sie in dieser Zeit auch nicht zu füttern. Bevor Tierschützer jetzt auf die Barrikaden springen, sei gesagt, dass ich das nicht in die Tat umgesetzt habe. Auf der einen Seite war ich zwar geneigt dazu, es zu tun, andrerseits fand ich es Luna gegenüber sehr unfair. Denn letztendlich war ich es, der für die Misere verantwortlich zeichnete. Die von mir verweigerte drastische Maßnahme, die mir auferlegt wurde, hat mir die Augen geöffnet.

Dank des Zip-Beutels ist das Futter nun ratzfatz vakuumverpackt.

Das Problem, dass Luna und ich hatten, lautete Aufmerksamkeitüberflutung. Wer sich für seinen Hund interessant machen möchte, muss vor allem eins tun. Er muss sich rar machen. Statt Luna völlig zu ignorieren, habe ich ihr einfach sehr sehr sehr viel Aufmerksamkeit entzogen. Ich rede nicht mehr wie ein Wörterbuch auf sie ein und im Haus gibt es nur noch maximal zwei kurze Spieleinheiten pro Tag. Die dauern dann 5 bis 10 Minuten. Streicheleinheiten bekommt sie auch nur noch in so geringer Dosis. Den Rest der Zeit darf sich mein Schätzchen in der Wohnung zwar bei mir aufhalten. Passieren tut aber nichts. Denn eins ist mir klar geworden. Hunde müssen und wollen warscheinlich auch gar nicht auf Dauer bespaßt werden.

Was ich eins zu eins umgesetzt habe, war der Teil meiner Hausaufgaben, die ich täglich draußen erledigen sollte und so gehen wir nur noch drei Mal pro Tag raus. Unsere Gassigänge fallen nun schon seit Wochen eher kurz und sehr einsilbig aus. Luna läuft dabei in der Regel immer an der Schleppleine. Während wir unterwegs sind, zücke ich irgendwo dann den Futterbeutel und der kommt dann drei bis vier Mal zum Einsatz. Mal verstecke ich den Beutel und Luna muss ihn suchen. Mal werfe ich ihn einfach und Luna apportiert ihn ganz normal. Manchmal üben wir mit ihm Bleib und Hier oder ich lege zwei Beutel aus, um Luna gezielt zu einem  von Beiden zu schicken.

Da Joanne krank geworden ist, läuft das Ganze jetzt schon seit drei Monaten so. Die Erkenntnis, die ich daraus gewinnen konnte, lautet: “weniger ist mehr.” Ursprünglich war es ja nicht geplant, dass wir über Monate hinweg die gleichen Trainingsschritte wiederholen. Damit es nicht zu eintönig wird, laufe ich mittlerweile mit Luna hin und wieder eine größere Gassirunde und da sie wieder gut mit macht, leine ich sie ab und zu sogar auf sicherer Strecke für eine Weile ab. Deshalb weiß ich, dass Luna wieder gut abrufbar ist und sie haut auch nicht mehr zum jagen ab. Schließlich könnte es sein, dass Frauchen womöglich den Futterbeutel hervor holt.

Das Futter für den Futterbeutel kommt in einen kleinen Zip-Peutel, den ich auf die passende Größe verkleinert habe

In den letzten Monaten hat Luna gelernt, dass sie existentiell vom Futterbeutel abhängig ist. Denn wenn Madamchen bei den Übungen mit dem Beutel nicht mit macht, ist der Spaß sehr schnell vorbei. Sollte sie z.B. am Morgen den geworfenen Futterbeutel beim ersten Mal nicht apportieren, bekommt sie noch eine zweite Chance eingeräumt. Lässt sie ihn immer noch links liegen, geht es wortlos heim. Die nächste Möglichkeit, etwas zu fressen, eröffnet sich für sie dann erst wieder am Abend dieses Tages. Macht sie brav mit, gibt es schon am Mittag die nächste Mahlzeit. Am Anfang fiel das Mittagessen ziemlich oft aus. Das lag aber nicht in erster Linie an Lunas Sturköpfigkeit, sondern am Futter.

Luna bekam zwar von mir mit Wolfsblut ein sehr hochwertiges Trockenfutter im Futterbeutel serviert. Insgesamt hält sie aber wohl von Trockenfutter nicht all zu viel. Im Prinzip trieb der Hunger es ihr eigentlich nur rein. Sie so lustlos fressen zu sehen, fand ich nicht schön. Also habe ich Luna wieder auf das Nassfutter von Terra Canis umgestellt. Allerdings nicht auf das Classic, sondern auf Senisitiv und Light. Sensitiv, weil es nicht so stark gewürzt ist und weil Luna dem Körnergedöns a la Hirse und Amaranth im Classic nichts abgewinnen kann. Das Light-Futter hat mich gereizt, weil viel Obst darin enthalten ist und Obst mag Luna wirklich sehr sehr sehr gerne.

Nach dem Futterwechsel mutierte mein kleiner Schatz ganz schnell genau zu dem Raptor, der Luna laut Aussage von Joanne ja nicht sei, so dass sie ruhig direkt aus dem Beutel fressen könne. Wenn ich jetzt den Futterbeutel weg ziehe, schnappt sich mein kleiner Vielfrass aber ganz schnell noch ein großes Maul voll, bevor ich den Beutel in Sicherheit bringen kann. Wenn ich das beobachte, muss ich immer grinsen und mittlerweile nenne ich Luna zwischendurch auch schon mal ganz liebevoll meinen kleinen Raptor. Seit der Umstellung auf Nassfutter ist so ein Futterbeutel ratzfatz leer und ich bin schon sehr gespannt, was Joanne zu diesem neuen Wesenszug von Luna sagen wird.

Dank des Zip-Beutels durchweicht das Nassfutter nicht den eigentlichen Futterbeutel.

Wer sich jetzt fragt, wie Nassfutter im Futterbeutel funktionieren kann, ohne dass der Beutel durchsuppt, dem verrate ich auch gleich noch ein Geheimnis, in das mich Joanne eingeweiht hat. Das Geheimnis ist bestimmt auch für Barfer interessant. Ich gebe das Futter von Luna nicht direkt in den Futterbeutel. Stattdessen ist im Futterbeutel ein Plastikbeutel mit Futter enthalten. Ich benutze dafür Zip-Beutel von Toppits, die ich mir mit meinem Folienschweißgerät auf die passende Größe zurecht stutze. Ihre Öffnung ist genau so groß, wie die des Futterbeutels, so dass Luna bequem daraus fressen kann.

Diese Beutel sind echt ein Segen, weil sich damit sehr schnell ein Vakuum herstellen lässt. Luna hat ja schon ein Mal als Welpe Dosenfutter bekommen. Allerdings verweigerte Luna das Futter, wenn es in der bereits geöffneten Dose eine Weile im Kühlschrank zwischen gelagert worden war und das, obwohl die Dosen innen weiß beschichtet waren und ich stets den Plastikdeckel aufgestülpte. Jetzt fülle ich den Inhalt einer Light- und einer Sensitiv-Dose in einen Beutel, mische das Ganze gut durch und drücke beim Verschließen sämtliche Luft raus. Seit dem macht Luna keine Anstalten mehr.

Mit der Mischung aus Light- und Sensitiv-Futter verfolge ich auch ein Ziel. Das Terra Canis Futter ist sehr hochwertig, dementsprechend wenig braucht Luna davon zu fressen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass mein Schätzchen nicht richtig satt wurde. Da Luna nicht abnehmen muss, kann ich ihr so ruhigen Gewissens eine größere Portion servieren. Außerdem geht es dadurch sehr abwechslungsreich im Futterbeutel zu. Denn es gibt 6 Geschmacksrichtungen Sensitiv und 4 Light. Zusammen ergibt das 24 mögliche Mischungen. Der Futterbeutel wird quasi zur Wundertüte und das kommt bei Luna super gut an.

In der Adoleszenzphase angekommen …

… ist mein Gehirn wegen Umbau geschlossen

Zur Zeit ist Freilauf ein unerreichbares Privileg für Luna. Deswegen sieht man auf vielen Bildern die schwarze lange Schleppleine.

Es ist viel Zeit ins Land gegangen, seit dem ich hier das letzte Mal über mein Leben mit Luna geschrieben habe. Auch wenn in unserem gemeinsamen Leben irgendwann die Routine eingekehrt ist, hätte es durchaus berichtenswerte Dinge gegeben. Im Prinzip hatte ich wohl so etwas, wie eine Schreibblockade. Denn in der Zeit, in der mein Blog hier für Außenstehende augenscheinlich verwaist sein Dasein fristete, habe ich im Hintergrund etliche Male damit begonnen, einen Artikel zu verfassen, um ihn anschließend wieder in die Tonne zu kloppen.

Hier ist mein Sonnenscheinchen im strahlenden Sonnenschein zu sehen. Mir ist, als ob ein göttliches Leuchten von ihr ausgeht.

Zwei Mal war Luna richtig krank. Das war zu der Zeit, in der die Kirschen reif wurden. Madamchen hat erkannt, dass sie diese Früchte gerne mag. Aber sie ist klein. Ergo kommt sie nicht an die zarten Objekte der Begierde heran. Also hat mein Schätzchen sich eine andere Taktik ersonnen. Sie hat sich zielstrebig den Kot von Vögeln gesucht, die Kirschen schnabuliert hatten. Es hat eine Weile gedauert, bis ich ihr auf die Schliche gekommen bin. Als ich es erkannte, hatte Luna schon eine heftige Darmentzündung. Seit dem weiß ich etwas, was keinem Menschen bewusst ist. Unter den Bäumen, die Vogelschwärmen als Schlafplätze nutzen, liegen zur Kirschenzeit unzählige dunkle Kothäufchen mit leckeren Kirschkernen im Gras herum.

Auf diesem Bild erkennt man die Grenzen einer Kamera. Für den unförmigen Hund zeichnet das Weitwinkelobjektiv meiner Uraltkamera verantwortlich.

Einen Monat später hatte Luna dann die zweite Darmentzündung. Woran es diesmal lag, weiß ich nicht. Infrage kamen die nicht richtig auskurierte Ersterkrankung,  ein Maul voll Schafskot und/oder Stress. Denn zu der Zeit habe ich es mit Lunas Training zum Zwecke der Erziehung etwas übertrieben. Die körperlichen Symptome sind Tierarzt sei Dank schnell überwunden gewesen und Joanne Bowron aus der Hundeschule sorgt seither in dem von mir in weiser Voraussicht gebuchten Einzeltraining dafür, dass ich meinem flauschigen Schätzchen nicht zu viel abverlange.

So nun ist es nicht mehr weit und dann bin ich wieder zu Hause. Dann hat die Fotografierei hoffentlich ein Ende.

Am 13. August konnte Luna ihren ersten Geburtstag feiern. Als Geschenk bekam sie von mir eine Torgas Wurzel. Um diese Zeit herum musste ich immer wieder daran denken, dass der Tierarzt sie schon im Alter von fünf Monaten kastrieren wollte. Die sogenannte Frühkastration sollte kurz vor der ersten Läufikeit durchgeführt werden. Ich habe mich damals gegen diese radikale Maßnahme entschieden, auch wenn die Begründung “drastische Senkung von Erkrankungen am Gesäuge und an der Gebährmutter” durchaus verlockend klang. Im Nachhinein kann ich nur sagen, dass ich richtig entschieden habe, als ich beschloss die fragwürdige Vorsorgemaßnahme zu verweigern. Denn die erste Hitze stand an dem Tag immer noch aus, an dem Luna ein Jahr wurde.

Seit Erreichen der Geschlechtsreife lässt sich Luna die für ein Kooikerhondje typischen Ohrbellen wachsen.

Diese Kastrationstollwut bringt mich jedes Mal auf die Palme, wenn ich damit konfrontiert werde. Die Frühkastration finde ich besonders perfide. Es kommt doch auch kein Mensch auf die Idee kleine Mädchen mit der Begründung zu kastrieren, dass sie so aller Voraussicht nach später keinen Krebs im Unterleib und in der Brust bekommen würden. Ich finde auch ein kleines Hundemädchen hat das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Zum einen können die Erkrankungen am Gesäuge, die verhindert werden sollen, auch bei früh kastrierten Hunden noch auftreten. Zum anderen werden u.U. andere Erkrankungen durch die Maßnahme gefördert. Außerdem erkrankt ein Hund nicht zwangsläufig, nur weil Frauchen vehement gegen eine Kastration ohne medizinische Indikation ist und etwas Anderes wäre aus ihrer Sicht auch gar nicht mit dem Tierschutz vereinbar.

Bisweilen entpuppt sich Luna als Blumenfreundin. In solchen Momenten wird jedes Blatt einer Pflanze mit Akribie beschschnüffelt.

Das nächste Argument, mit dem das Tierschutzgesetz ausgehebelt werden könnte, finde ich lächerlich. “Fehldeckung – in dem Sinne der unkontrollierten Vermehrung”. Geht es noch? Luna streunt doch nicht alleine durch die Straßen und mir ist hier in Paderborn auch noch kein streunender Hund begegnet. Es mag zwar wild lebende Katzen in unseren Breitengraden geben. Straßenhunde gibt es aber wohl eher nicht. Zumindest ist mir in den letzten 50 Jahren nicht ein Einziger begegnet. Die unkontrollierte Vermehrung sollte in einer Stadt, in der überall Leinenzwang herrscht, eigentlich unmöglich sein. Zumal ich mit einer läufigen Luna mit Sicherheit nicht dort herum spazieren würde, wo wir zu Hauf unkastrierten Rüden begegnen könnten. Als Hundehalterin kenne ich mittlerweile auch die Ecken, zu denen es die Hundehalter hin zieht, weil die Örtlichkeit dazu inspiriert, die Anleinpflicht zu vernachlässigen.

Luna ist ein kuscheliger kleiner Hund dessen klare Augen und wacher Blick seine Intelligenz verraten.

Mit 12 1/2 Monaten war es dann so weit. Am 27. August, also quasi gaaaaannnz kurz nach dem 5. Lebensmonat bemerkte ich, dass Luna läufig ist. Die Zeit haben wir super überstanden. Aufdringlichen Rüden sind wir gar nicht begegnet und es haben auch keine feschen Hundeherren vor unserer Haustür kampiert. Zu größeren Gassirunden sind Luna und ich rausgefahren, um vor den Toren Paderborns auf den Feldern unbehelligt spazieren zu gehen, auf denen außer uns niemand rumlief. Alles in Allem haben wir die Läufigkeit ohne irgendwelche nennenswerten Komplikationen gemeistert und auch die Zeit danach war für Luna kein Problem. Das Einzige, was sie zeigte, war ein höheres Schlafbedürfnis. Von Nestbautrieb und starke Symptome der Scheinträchtigkeit keine Spur. Hoffentlich bleibt das in Zukunft auch so.

Hier schaut Luna einem Passanten hinterher, der sie angesprochen hat.

Etwas hat sich mit der Läufigkeit aber doch verändert. Vor dem großen Ereignis hat mich Luna damit verblüfft, dass sie plötzlich ein derartig wohlerzogenes Verhalten an den Tag legte, dass es mir schon fast unheimlich wurde. Selbst der Freilauf im Wald bereitete keine Schwierigkeiten. Luna war super gut abrufbar und folgte aufs Wort. Natürlich habe ich gedacht, dass es nach der Läufigkeit so weiter gehen wird, Pustekuchen. Von dem tollen Verhalten scheint nichts mehr vorhanden zu sein. Sobald ich sie ableine, haut Madamchen ab und geht jagen und auch ansonsten kann mein Schätzchen offenbar sehr sehr schwer hören.  ”Hier??? … Kenn ich nicht …. Sitz??? … wieso das denn???  Nö, mach ich nicht … Futterbeutel apportieren … ähäh, ich schnüffel lieber auf der Wiese rum und suche mir Hasenköttel”.”

Neugier

Und was gibt es hier Neues??? Mein kleines Madamchen ist nicht neugierig. Nein!!!! Es will nur gerne immer alles ganz genau wissen.

Aber wir haben Joanne Bowron von D.O.G.S. und die hat uns dazu verdonnert, einen großen Schritt zurück zu gehen. Zur Zeit backen Luna und ich wieder ganz kleine Brötchen. Wir gehen 5 – 6 Mal am Tag zu einer ganz kurzen Gassirunde raus, damit sich Luna lösen kann. Dann geht es wieder heim vor die Tür und dann fliegt dort 3 – 4 Mal der Futterbeutel. “Ich weiß, Du willst das nicht hören …”, hat Joanne zu mir gesagt. Recht hat sie gehabt. Mich hat es gewurmt, weil ich nicht verstanden habe, warum wir den Gang so drastisch zurück schalten müssen. Das ist so ein Tick von mir. Ich will immer alles genau begründet und erklärt bekommen. Ein einfaches mach es so, reicht mir oft nicht aus. Aber Luna zeigt mir täglich, dass es die richtige Vorgehensweise ist und mittlerweile habe ich mich natürlich auch schlau gegoogelt.

Blumenfreundin

Die kurzbeinige Luna läuft sehr gerne über die Mauern, die unseren Wegesrand säumen. Verstehen kann ich es. Auf diese Weise wird für sie das Terrain überschaubarer.

Mit dem Einsetzen der Geschlechtsreife kommt der Hund in der Adoleszenzphase an. Das Verhalten, dass Luna mir zeigte, sah auf dem ersten Blick zwar nach Trotz, Austesten und Aufstand aus und ich war schon wieder nach dem Motto “das lasse ich dir nicht durchgehen” auf Strenge gebügelt. Aber in Wirklichkeit ist das Hundegehirn meines Sonnenscheinchens mal wieder wegen Umbauarbeiten abgeschaltet. Nun könnte ich hier ellenlange Erklärungen schreiben, was in dem Moment passiert, wenn der Hund in der Adoleszenzphase ankommt. Könnte! Das werde ich aber nicht machen. In dem Blog Levins Welt ist das nämlich sehr schön beschrieben. Warum also sollte ich das Rad noch einmal erfinden. Besser als der Verfasser bekomme ich es auch nicht hin.

Ein kleines quirliges Hundemädchen …

… bringt ihr dickes träges Frauchen auf Trab!!!!!!!!!

... und ich duese duese duese duese im Sauseschritt und bring ein Stoeckchen mit ...

Bevor sie bei mir eingezogen ist, habe ich oft versucht mir vorzustellen, wie mein Leben mit Luna sein wird. Aber die Realität sieht natürlich ganz anders aus. Das kleine Fellnäschen, das wir in unsere Familie aufgenommen haben, trägt temperamentvolle Gene in sich. Natürlich habe ich das gewusst. Allerdings wollte ich mir in meinen Träumen nicht ausmalen, welche Herausforderung der Bewegungsdrang meines Sonnenscheinchens für mich Schwergewicht bedeuten würde. Im Gegensatz zu meinem schlanken und überaus wendigen Hund trage ich jede Menge der Kilos mit mir herum, die der Volksmund Fettleibigkeit nennt. Jetzt habe ich hier ein kleines Hundemädchen, dessen  Spaß an Bewegung im krassen Gegensatz zu meiner Trägheit steht. Dementsprechend präsentiert mir mein Sonnenscheinchen tagtäglich die Quittung dafür, dass ich die letzten Jahre hindurch meine Zeit damit verbracht habe, mich Dank  eines bizarren Hobbies kaum vom Stuhl zu erheben, geschweige denn, mich zu bewegen.

Rumtoben mit einem Artgenossen ist Lunas liebstes Steckenpferd und mit Cousin Mio macht es ihr besonders viel Spaß.

So interessant es für mich als künstlerisch angehauchten Menschen einerseits auch war, Babypuppen zu gestalten, die auf dem ersten Blick wie  echte Babies aussehen, so ungesund ist dieses Hobby auf der anderen Seite dann doch irgendwie für mich gewesen. Insofern weise ich die unterschwelligen Botschaften so manch eines Medienberichtes, der einen krankhaften Aspekt rund um das Rebornbaby implizierte, nicht mehr ganz so strickt von mir, wie früher, denn die Stubenhockerei hat mich von dem abgeschnitten, was vor meiner Wohnungstür statt fand. In der Folge kannte ich kaum einen Nachbarn. Für sich genommen, war das nicht tragisch, weil mir diese Form der Nähe nicht sonderlich behagt. In diesem Punkt kam mir das Rebornen irgendwie sogar entgegen, weil das träge Hobby mir so manchen Schwatz im Treppenhaus ersparte. Aber die Welt besteht nicht nur aus Menschen und an den kleinen Wundern der Natur kann ich dann doch Gefallen finden.  Sie zu genießen, verwehrte mir meine Scheu vor Menschen und die damit einhergehende Stubenhockerei und so konnte sich angesichts der mit dem Rebornen verbundenen Trägheit so manches Kilo Fett an meine Hüften heften, ohne dass ich überhaupt gewahr wurde, wie sehr es mich beeinträchtigt. Die lebensecht wirkenden Puppen halfen mir hervorragend dabei, die Augen vor der Realität zu verschließen. Das Ende vom Lied waren ständige Rückenschmerzen, geschwollene, kribbelnde Beine und soziale Isolation.

Schaut genau her, dann seht ihr es. Ich bin es, die Koenigin des Loewenzahns ....

Obwohl, vielleicht aber auch gerade weil ich mich vor meinem sozialen Umfeld völlig abschottete, reagierte es auf mich. So manchem Nachbarn wurde ich von Tag zu Tag suspekter, weil ich ihnen auf der einen Seite so geflissentlich aus dem Weg ging. Auf der anderen Seite sahen sie mich tagtäglich viele Stunden in der Nähe eines, im Sommer auch noch weit offen stehenden Fensters sitzen. Ausschlaggebend für mein Tun waren die günstigen Lichtverhältnisse und ohne es zu ahnen, brachte ich so eine ältere Dame an den Rand eines Nervenzusammenbruchs, weil sie sich beobachtet fühlte und ich war natürlich die Letzte, die mitbekam, dass wegen mir der ganze Wohnblock in Aufruhr geraten ist. Denn so schwer es für Manchen auch sein mochte, es sich vorzustellen, aber meine Mitmenschen sind mir bis auf ganz wenige Ausnahmen tatsächlich völlig egal. Es interessiert mich nicht die Bohne, was sie machen, denken oder reden. Das Einzige was ich von ihnen will, ist, in Ruhe gelassen zu werden. Deswegen kannte ich auch nach acht Jahren kaum Jemanden aus dem riesigen Wohnblock mit Namen und plötzlich war ein großer Teil dieser Namenlosen gegen mich. Als wieder die Saison am offenen Fenster losging, hagelte es Beschwerden beim Vermieter, weil ich angeblich zu laut wäre. Schallpegelmessungen bewiesen zwar das Gegenteil, aber gerade sie stellten für mich den Höhepunkt der Krise dar, weil ich mich in meinen eigenen vier Wände nicht mehr wohl fühlte. Die vielen Augen an unseren Fenstern und die Ohren an der Wand ebneten den Weg für den Umzug in eine andere Stadt.

Mein kleiner Spring ins Feld ist ein ungebremstes Energiebuendel voller Lebensfreude.

Hier in Paderborn wollte ich das Leben als Einsiedlerkrebs eigentlich genau so weiter führen, wie bisher, doch dann kam ich durch meine Schwägerin Vio und dem Border Collie Neupfundländer Mix Mio auf einen anderen Geschmack. Ich entdeckte, dass ich mich in Begleitung eines Hundes dazu überwinden kann, spazieren zu gehen. Das im Kontakt sein mit dem Tier, hilft mir die Menschen, die unseren Weg kreuzen, auszublenden, besonders dann, wenn sie nicht am Ende einer Hundeleine laufen. Zusammen mit dem Hund in der Natur zu sein fing an mir zu gefallen. Deshalb zog ein paar Monate später Luna bei mir ein. Mein kleines Fellnäschen ist der Mittelpunkt meines Lebens geworden. Es ist die Gestalt gewordene Lebensfreude auf vier Pfoten. Seit dem sie bei mir ist, hat sie mich jeden Tag ein Stück weiter hinaus in das Leben geführt, das sich außerhalb meiner vier Wände abspielt. Sie ist der Grund, warum ich im Nachhinein die Rebornbaby Puppe mit anderen Augen sehe. Mittlerweile denke ich, dass meine Hinwendung zu ihr tatsächlich das oft in Reportagen und Berichten zitierte Defizit repräsentiert, das kompensiert werden soll. In meinem Fall ging es nicht um die nicht vorhandenen Kinder, denn ich habe mich schon sehr früh gegen eigene Kinder entschieden. Die Triebfeder war der von mir gefühlte Mangel an Sicherheit und dieses Empfinden wurde bereits in der frühen Kindheit grundgelegt. Noch heute plagen mich jede Menge Ängste und in meinen Augen wird die Welt sehr schnell zu einem unsicheren Ort.

Auch wenn sie rein optisch ein seltsames Paar sein moegen, harmonieren Nelly und Luna gut miteinander.

Mio war es, der mir gezeigt hat, dass ein Hund ein Schutzschild für mich sein kann. Er war es auch, der mich entdecken ließ, dass ich mich dazu überwinden kann, hinaus zu gehen, wenn ich einen Hund an meiner Seite habe. Weil ich dem wehrhaften Tier vertraue, das mich begleitet und mir Sicherheit gibt, konnte ich einen Blick darauf riskieren, was das Leben außerhalb meiner eigenen vier Wände für mich bereit hält. Auf diesem neu entdeckten Boden fiel die Entscheidung, die in eine Sackgasse führende Einbahnstraße eines gestalterischen Schaffensprozesses wieder zu verlassen, dem der Freiraum für Kreativität und Inspiration fehlt, der künstlerisches Schaffen ausmacht. Eine Reborn Baby Puppe soll aussehen, wie das blühende Leben. Aber letztendlich bringt sie nur totes Leben zum Ausdruck, denn bei der Puppe, die aussieht als würde sie leben, handelt es sich am Ende doch bloß um einen kalten, seelenlosen Gegenstand. Bereut habe ich die Entscheidung, mich vom Rebornen abzuwenden, bis heute nicht. Im Gegenteil, je größer der Abstand zu der Welt wird, in der sich alles um Rebornbabies dreht, desto grotesker erscheinen mir die Querelen, die ich selbst miterleben durfte und die bisweilen sogar noch heute an mein Ohr dringen.

Nach dem Grasen im Getreidefeld, fetzen die beiden Schafe im Hundefell wie wild gewordene Handfeger durchs werdende Korn.

In den Momenten, in denen noch etwas aus der Rebornszene zu mir herüber schwappt, bin ich besonders dankbar, dass ich völlig auf den Hund gekommen bin. Statt um tote Gegenstände, die aussehen, als würden sie leben, dreht sich meine Welt  jetzt um eine sehr lebendige Freundin im Pelz. Mit Luna ist ein quirliges Energiebündel in mein Leben getreten, das meine kleine Welt enorm bereichert. Selbst wenn sie es könnte, würde sie nicht auf die Idee kommen, zum Telefon zu greifen, weil sie Jemanden einreden möchte,  dass im Rahmen des Rebornbaby Puppenmachens auch der Beschaffungsprozess von Konsumgütern rund ums Baby als kreative Eigenleistung gewertet werden muss. Luna stellt zwar mein Leben völlig auf den Kopf, die Realität bis zur Unkenntlichkeit zu verbiegen ist jedoch kein Charakterzug, den sie ihr eigen nennen kann. Sie verschwendet lieber ihre Energien damit, sich im Gras zu räkeln, nachdem sie im Wald über Stock und Stein gepest ist und ich muss gestehen, ich schaue ihr bei dieser Leichtigkeit des Seins unglaublich gerne zu. Die Lebhaftigkeit meines Hundes trägt dazu bei, mich zu erden und meine kleine Freundin auf vier Pfoten hat einen schönen Aspekt aus meiner Kindheit neu belebt. Denn genau wie mein Hundemädchen war auch ich ein spielfreudiges und umtriebiges Kind, das viel und gerne in Bewegung war.

Nelly ist eine geduldige und emsige Spielpartnerin, die fuer so manchen Schabernack zu haben ist.

Dafür, dass ich mit ihr regelmäßig rausgehen muss, bin ich meiner Fellnase unendlich dankbar. Denn dadurch ermöglich sie mir, die schönen Dinge in der Natur wieder zu entdecken, die ich schon fast vergessen habe. Oft ist es einfach nur ein weiches Sonnenlicht, das uns begrüßt, wenn wir zur Tür hinaus treten. Im Januar und Februar ließen mir Teiche und mit Schnee bepuderte Landschaften das Herz übergehen, besonders wenn das Sonnenlicht ein solches Szenario derartig in Szene setzte, dass das Auge vermeinte, unzählige Diamanten aufblitzen zu sehen. Zur Zeit ist das frühlingshafte Erwachen die Nahrung für meine Seele. Jedes aufblühende Blümchen rührt mich an. In solchen Momenten spüre ich manchmal Freude und Liebe in mir. Freude, weil ich das kleine Wunder miterlebe, Liebe, weil mein Hund es ist, der mir das Erlebnis ermöglicht. Dank Luna nehme ich wieder ein klein wenig an den Schauspielen des Lebens teil, die mir die Natur bereitwillig zeigt, ohne Eintrittsgeld dafür zu verlangen und ich erkenne: “die Welt hat auch ihre schönen Seiten!”

Ein Rudel, dass sich bewaehrt. Die gemeinsamen Treffen mit Nelly und Kerstin sind fuer alle Beteiligten immer ein erfreuliches Highlight.

Aber die Welt hat nicht nur ihre schönen Seiten. Es wohnen hier und da tatsächlich auch nette Menschen in ihr und Luna scheint es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, mich mit einigen davon bekannt zu machen. Mit ihrem quirligen Wesen und ihrem hohen Niedlichkeitsfaktor hat sie schon so manchen Hund samt Frauchen oder Herrchen um ihre Pfote gewickelt. Wen wundert es da noch, dass ich Dank meines bunten Hundes in unserem Viertel nun auch bekannt bin, wie ein bunter Hund. Die Art des eher oberflächlichen Kontaktes kommt mir entgegen, weil dabei so gut wie keine Nähe entsteht. Denn, abgesehen von einer Ausnahme, ist es so, dass ich zwar die Namen der Hunde kenne, denen wir begegnen. Wie der Halter heißt, bleibt aber unermüdlich im Verborgenen. Nur in einem Fall kam es anders. Luna hat sich eine große Freundin namens Nelly angelacht. Die hübsche helle Labrador Schäferhund Mix Hündin und mein Sonnenscheinchen sind ein Herz und eine Seele  und das wirklich schöne an dieser Freundschaft auf vier Pfoten  ist, dass Nelly einem Frauchen gehört, die mir auf Anhieb so symphatisch war, dass mein Interesse geweckt wurde. Kerstin und Nelly sind ein Gespann, das zu uns passt, weil die Hunde Menschbeziehung ähnlich strukturiert ist und so treffen wir uns nun regelmäßig auf dem Monte Scherbelino, um gemeinsam das Revier zu durchstreifen.

Frauchen muss erfinderisch sein …

… während sich der pelzige Pubertier an ihr erprobt

Maennchen machen ist der erste Trick, den Luna von ihrem Herrchen gelernt hat.

Das die Pubertät bei Luna im vollen Gange ist, lässt sich mittlerweile kaum noch übersehen. Meine pelzige Freundin ist zu einer kleinen Diva mutiert, die mich jeden Tag aufs Neue geschickt an den Rand des Nervenzusammenbruchs treibt. “Was willst Du von mir? Ich soll mit Dir mitgehen? Na, das wollen wir ja mal sehen. Glaubst Du doch selber nicht, dass ich mitkomme.” Und dann stehen wir draußen vor der Haustüre auf dem Bürgersteig und warten. Die Schleppleine ist mittlerweile voll ausgewickelt und an jedem Ende steht sich wer die Beine in den Bauch. Solange bis endlich geklärt ist, ob wir nun durch das Revier streichen oder nicht.

Luna ist ein echter Schnueffelhund.

Luna ist dabei unbestritten im Vorteil, denn die kann sich im Gegensatz zu mir in aller Seelenruhe auf dem Grünstreifen in den Schnee setzen, während ich genervt darauf warte, dass Madamchen sich irgendwann einmal dazu herab lässt, sich in meine Richtung zu bewegen. Ich steh derweil einfach nur dumm und seltsam anmutend völlig sinnentleert in der Gegend rum und so mancher Nachbar fragt sich bestimmt schon, was wir da machen. Während meine Diva und ich unseren Disput lautlos ausfechten, muss ich ganz nebenbei auch noch wie ein Luchs aufpassen, dass mein vierbeiniger Kontrahent sich nicht selbst belohnt, in dem er sich an irgendeinen Passanten heran schmeißt, um sich von dem genüsslich den Bauch kraulen zu lassen.

Mein Sonnenscheinchen hat ihre Nase immer im Bodennaehe, wenn wir draussen unterwegs sind.

Im Rahmen dieser nonverbalen Diskussionen zähle ich dann immer sehr langsam und völlig lautlos vor mich hin, weil es mir hilft, die Ruhe zu bewahren. Neulich habe ich die 400 erreicht und jede einzelne Zahl davon verkörperte ca. 2 – 3 Sekunden. 900 Sekunden, das sind 15 Minuten, die wir so verharrten, bis sich mein Sturkopf endlich auf den Weg machte. Jetzt kann es losgehen, dachte ich mir, als mein kleiner Querkopf bei mir angekommen ist und tatsächlich … schwupps fängt die Diskussion von vorne an. Wieder hieß es warten. Als wir das Thema durch haben, wähne ich mich in ruhigem Fahrwasser. Die Schleppleine ist aufgewickelt und Luna läuft an einer 2 Meter Leine prima mit bis die nächste Hürde zu einem gelungenem Gassigang auftauchte. Von irgendwoher kommt eine ihr gut bekannte Person und mein Hund will natürlich zu ihr hinrennen, um sie schwanzwedelnd anzuspringen. Die Botschaft solcher Attacken lautet: “kraul mir den Bauch, deswegen läufst Du doch hier herum.”

Nach dem Gassie gehen wird erst ein Mal ausgiebig im gemuetlichen Koerbchen relaxed.

Die Nachbarin wird flugs von mir aufgefordert, den Hund nicht zu streicheln, weil der gerade wieder mal macht, was er will und um Lunas Rumgehüpfe und Leinengezerre zu unterbinden, bekommt sie von mir geistesgegenwärtig die ruhige Leine verpasst, in dem ich mich mit dem Fuß auf das sichtbare Band stelle, dass uns verbindet. Stehen und sitzen kann meine Diva noch ganz geschmeidig. Mit dem Rumgezappel ist es jedoch vorbei … Also fährt Luna andere Geschütze auf. Es wird gefiept und gezetert, dass Ohrenzeugen außer Sichtweite meinen könnten, da wird gerade ein kleiner Hund verprügelt und welch Wunder, aus allen Himmelsrichtungen ertönt lautstark warnendes Gebell von alarmierten Artgenossen, die nirgendwo zu sehen sind.

Spaziergaenge zusammen mit mir und meinem Mann findet Luna Klasse.

Egal! Auch das stehen wir gemeinsam durch und schon bald geht es weiter des Weges. Nun besinnt sich Madamchen darauf, dass sie ein Mischling ist, der aus drei verschiedenen Jagdhunden hervor gegangen ist, so dass sie jede Menge Jagdtrieb ihr eigen nennen darf. In der Folge wird nun jeder Vogel fixiert, der unseren Weg kreuzt und mein Bemühen, Luna durch Ablenkung vom Jagen abzuhalten, schlägt natürlich fehl. Ball apportieren, einem Haken schlagenden Kong hinterher hetzen, Leckerchen suchen … ist ja totaaaal spannend …  soooolaaaaaaannnnge keine Vögel in der Nähe sind! Langsam wird es schwierig für mich Ruhe zu bewahren. Denn  angesichts der bisher gezeigten Allüren würde ich meiner Diva gerne die hübschen Plüschohren noch ein klein wenig mehr in die Länge ziehen.

Aber auch mit Herrchen im Gepaeck ist Schnueffeln Lunas Lieblingsbeschaeftigung.

Statt dessen atme ich tief durch und weiter geht es. Nach einiger Zeit sind die Vögel vergessen. Schließlich kommt uns gerade ein großer Hund entgegen. Nach den Vögeln ist das für Luna das nächste Signal dafür, nach vorne zu preschen. Den Erfolg verhindert die Leine, aber mal richtig los bellen geht natürlich noch, während an beiden Enden der Leine wie wild gezogen wird. Warum die Pöbelei? Könnt ja sein, dass der unbehagliche Artgenosse sonst meinem kleinen unsicheren Hascherl zu nahe kommt. Natürlich hatte ich die “Gefahr” schon vorher gesehen, denn wer mit einem Hund unterwegs ist, muss seine Augen überall haben. Aber der Versuch, meine Diva durch die Situation zu bringen, indem ich sie von dem Artgenossen ablenke, ist natürlich gescheitert. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als das Beste daraus zu machen und so gehe mit meinem Bello in dem größtmöglichen Bogen um den anderen Hund herum, den der enge Weg zulässt.

Allerdings waren Leckerchen im Gras verteilt, als diese Fotos entstanden.

Kaum haben wir den Artgenossen hinter uns gelassen, taucht am Horizont der Nächste auf. Den kennt meine Diva gut, zu dem will sie hin. Darf sie aber nicht, weil sie lernen soll, dass es an der Leine keinen Hundekontakt gibt. Luna hat dafür natürlich kein Verständnis. Also wird wieder an beiden Enden an der Leine gezogen, es wird probiert von vorne vor mich herum zu laufen. Der nächste Versuch erfolgt ähnlich, aber dieses Mal hinten herum und weil auch das alles nicht zum Ziel führt, wird lautstark gewinselt, gefiept und gezetert. So langsam fühle ich mich grottenschlecht, weil bei Ohrenzeugen der Eindruck entstehen könnte, ich gängele und nötige meinen Hund und tatsächlich taucht in nächster Nähe auch schon eine Person am Gartenzaun auf, die mal nachzuschauen möchte, was da vor sich geht.

Ohne Leckerchen zum erschnueffeln, wird es schwierig Luna zu fotografieren.

So langsam bekomme ich Lust, meinem pelzigen Pubertier in Grund und Boden zu stampfen. Es ist viel einfacher gesagt und geschrieben, die Geduld zu bewahren, wenn der flauschige Rebell an den Nerven zergelt, besonders dann, wenn der sich wie ein Kutschpferd in die Leine legt und wild hin und her springt, während Frauchen gerade einen, mit einem Riesenhäufchen befüllten, Kotbeutel in den Händen hält, den sie gerne zuknoten möchte. Eigentlich wollte ich mit Lunchen einfach nur entspannt Gassi gehen, nachdem sie mir auf der nahe gelegenen Wiese verdeutlicht hat, dass sie gerade mal Null Bock hat, mit Frauchen das Apportieren zu üben. Aber daraus wird nichts, weil ich alle paar Meter einen kleinen Machtkampf mit meinem temperamentvollen Energiebündel ausfechten muss.

Wir warten sehnsuechtig auf den Fruehling, weil wir endlich jeden Tag in der Sonne herum tollen wollen.

Egal. Das Gezeter hört auch wieder auf und was dann kommt, ist kaum zu fassen. Wir laufen tatsächlich ein ganzes Stück völlig harmonisch durchs Revier. Da wir die Straße hinter uns gelassen haben und Luna an der Schleppleine läuft, üben wir zwischendurch die Kommandos  Hier, Stopp, und Sitz aus der Entfernung. Alles klappt super. Anschließend schlendern wir ganz entspannt unseres Weges und Luna nutzt die Zeit um an der schleifenden Schleppleine Hundesachen zu machen. Wie schön, dass ich das eine kurze Zeit genießen durfte, denn es dauert nicht lange, da bekommt meine Diva einen kleinen Tobsuchtsanfall. In solchen Momenten läuft sie knurrend Achten an der Leine und ich habe bis heute nicht begriffen, warum. Hier reicht ein scharfes Aus und anschließend ein normales Sitz und schon ist der Hund wie ausgewechselt und wir treten unseren Heimweg an.

Der Schuetzenplatz ist fuer Luna ein zweites Zuhause geworden, wo sie regelmaeßig Spielkameraden trifft.

Als wir zu Hause ankommen, bin ich total geschafft. Also verschanze ich mich umgehend hinter dem Computer, während Luna sich ins Körbchen verzieht. Meine Intension ist es zum wiederholten Male meinen Freund Google um Rat zu fragen, weil ich noch immer darauf hoffe, dass irgendwo im WWW ein schlauer Mensch die umsetzbaren Lösungsvorschläge für meine Probleme parat hält, die ich bisher noch nicht gefunden habe. Und tatsächlich, nach unzähligen Versuchen werde ich fündig und so brechen mein Sonnenscheinchen. Am nächsten Tag brechen mein Sonnenscheinchen und ich zum ersten Mal mit der sogenannten Balance-Leine zum Morgenspaziergang auf und mich trifft der Schlag. Nach vorne preschen, Leinenruck als Reflex, zur Seite zerrender Hund? Aber nicht bei Luna und mir. Dank der geschickt gefädelten Leine kann ich meine Diva ganz easy wieder in die Spur bringen, ohne dass es für sie unangenehm ist und zum Dank läuft sie wie eine Eins neben mir her.

Mittlerweile hat Luna jeden Tag ausgiebigen Kontakt zu Kollegen und ich kann beobachen, wie sie taeglich sicherer im Umgang mit grossen Hunden wird.

Aber das Beste war die Erfahrung die ich bei unserer zweiten Runde auf einen nahe gelegenen Feldweg machte. Luna apportiert wunderbar ihren Ball … bis sie einen Vogel sieht. Schwupps kommt sie auf die Idee, ihn zu jagen. In dem Moment, in dem sie los läuft, wende ich die Masche an, die sich ein ganz gewieftes Genie ausgeheckt hat. Zum ersten Mal rufe ich Luna ein lautes TSCHÜÜÜÜSS hinter her, um gleichzeitig in die andere Richtung loszurennen. Was dann geschieht, versetzt mich ins Staunen. Mein jagender Hund macht auf dem Pfotenballen kehrt und rennt kurz darauf neben mir her. Deswegen möchte ich mir hier bei dem Pfiffikus bedanken, der diesen Trick ersonnen hat. Der Kniff ist genial. Denn er hat den ganzen Tag über immer wieder funktioniert. Egal ob Luna zu anderen Hunden hin rennen oder Vögeln nach jagen wollte. Selbst, wenn sie beim Apportieren vom Kurs abkam, konnte ich sie mit diesem Kniff dazu bringen, samt Ball zu mir zu kommen und auf ein Mal macht ihr Apportieren wieder total Spass, weil sie zwischendurch ihr dickes Frauchen jagen darf.

Was will Frauchen von mir? …Ball bringen? …

… was war das denn noch mal? … und meint sie das auch ernst?

Ich bin immer wieder erstaunt darueber, wie sehr mir Luna ans Herz gewachsen ist. Am liebsten wuerde ich sie den ganzen Tag knuddeln. Aber damit wuerde ich ihr gar keinen großen Gefallen tun.

So langsam bekomme ich einen Eindruck davon, was es bedeutet mit einem Pubertier auf vier Pfoten zusammen zu leben. Vor einiger Zeit war ich völlig aus dem Häuschen, das Luna mir den Ball auf der Wiese apportiert. Das ging dann eine Weile ganz gut und dann auf einmal wurde mir kein Ball mehr gebracht. Ok, dachte ich mir, die Wiese ist nass. Vielleicht gibt es zu viele gut riechende Ablenkungen. Denn mein Sonnenscheinchen ging immer wieder schnüffeln, sobald sie bei dem von mir geworfenen Bällchen angekommen war.

Luna ist eine aufmerksame Beobachterin und wenn ihr dickes Frauchen mit der Pentax vor ihrem Korb auf dem Boden rumrobbt, beobachtet sie sehr aufmersam, was da vor sich geht.

Gut, dachte ich mir. Gestalten wir das Ganze etwas einfacher und so gehen wir zwei Hübschen auf den Parkplatz vor der Wiese. Aber Pustekuchen, auch da lief Luna nur dem Ball hinterher, um ihn anschließend links zu lassen und es war klar erkennbar, dass sie wieder auf die Wiese ausbüchsen wollte, um dort zu schnüffeln. Es war so niederschmetternd. Immerhin hatte meine kleine Diva doch noch am Morgen in der Wohnung wie ein junger Hundegott ihre Giraffe apportiert.

Wie man sich bettet, so ruht man. In diesem Sinne chillt Luna wohl gerade ganz besonders intensiv.

Nun hatte ich gelesen, dass man während der Pubertät einfach leichtere Sachen machen sollte, wenn etwas nicht klappt. Also ging es vom Parkplatz den Bürgersteig entlang zurück zum Haus. Aber selbst vor  unserer Haustüre brachte mir mein Hund nicht das gewünschte Bällchen, obwohl er das Futter dafür gerne kassiert hätte. Da es das nicht  gab, wollte er lieber ins Blumenbeet, um dort zu schnüffeln. Mein Gott, war das frustrierend. Ich wusste nicht, ob ich mich ärgern oder lieber heulen sollte.

Lunas Sommersprossen verraten, dass jede Menge Jagdhundblut in ihr steckt und im Rahmen der Pubertaet scheint es ein wenig in Wallung zu geraten.

Naja, dachte ich mir, werfe ich den Ball zu Haustür rein in den Hauseingang. Daran hatte Luna vor ein paar Tagen noch richtig Spaß gehabt. Was macht mein Hund? Er bleibt in der Haustüre stehen, weil er offensichtlich begriffen hatte, dass das leichte Gefälle in diesem Gang  schon dafür sorgen würde, dass der Ball zu ihm zurück kommen wird und so war es dann auch. Kaum war der Ball in greifbarer Nähe. Nimmt Luna ihn ins Maul. Anschließend lässt sie ihn fallen, schaut zur mir hoch, weil sie für diese Glanzleistung gerne eine Belohnung haben möchte.

Die bekam sie natürlich nicht. Stattdessen änderte ich meinen Plan. Also ging es hinein in den Hauseingang und hinter uns machte ich die Haustür zu. Mit dem Hund im Gepäck ging es nun in den höher gelegenen Bereich vor der Treppe. Dort warf ich den Ball und Luna lief ihm hinterher. Sie nahm ihn in den Fang, schaute mich an, lies ihn sofort wieder fallen und kam zu mir, um sich eine Belohnung abzuholen. Da es auch dafür keinen Grund für mich gab, ihre Leistung anzuerkennen, ging sie natürlich leer aus und was macht mein Hund?

Wenn Luna die Nerven ihres Frauchens genug getestet hat, legt sie sich gemuetlich auf die faule Haut, waehrend ihre Dosenoeffnerin sich bei einem Taesschen Tee sammelt

Kaum habe ich ihn aufgefordert: “hol den Ball” , läuft er zurück zu ihm, nimmt ihn ins Maul, lässt ihn sofort wieder fallen, setzt sich daneben auf die Fußmatte vor der Haustür und schaut mich herausfordernd an. Da war es mir klar. Es war nicht so, wie ich es dachte. Wenn ein Hund in die Pubertät kommt, restrukturiert sich sein Gehirn. Dadurch kann es passieren, dass der vierbeinige Freund vorübergehend ein Kommando nicht mehr ausführen kann, weil es im Prinzip im alten Gehirnareal schon gelöscht, aber noch nicht ins Neue  hinein geschrieben worden ist.

Zur Zeit uebe ich mich wieder in der Fotografie und Luna hat die laestige Aufgabe, mir als Fotomodell zu dienen. Aber mit den richtigen Leckerchen erfuellt sie ihren Job sehr pflichtbewusst.

In einem solchen Fall bedeutet dies, dass der Hund das Bällchen gar nicht bringen kann, weil er schlicht und ergreifend nicht weiß, was er tun soll. Aber ich denke, das war bei Luna wohl eher nicht der Grund dafür, warum mir der kleine organge blaue Ball so vehement nicht gebracht wurde. In unserem Hauseingang wurde mir klar, dass Madamchen gerade sehr genau testet, wie ernst es mir damit ist, wenn ich sie dazu auffordere. “bring mir den Ball.” Also haben wir Zwei die Ernsthaftigkeit dort unten in aller Seelenruhe ausführlich geklärt, indem wir es ausgesessen haben.

Luna hatte es sich ja bereits an dem einem Ende unseres Hauseingangs auf der Fußmatte in der Nähe ihres Balles bequem gemacht. Also liess ich mich auf den Treppenstufen am anderen Ende des Ganges nieder und machte es mir dort mit einer gut sichtbaren Portion ihres leckeren Futters in der Hand bequem. So saßen wir uns nun auf sieben Meter Entfernung im Hauseingang gegenüber. Jeder hatte etwas, was der Andere gerne haben wollte und Keiner von uns Beiden war gewillt, es zu den Konditionen des Anderen heraus zu rücken.

Eine der ganz großen Staerken von Luna ist es, sich ueberaus dekorativ auf ihren Liegestellen zu drappieren. Damit ringt sie meinem Mann und mir so manches Laecheln ab.

In dieser Situation habe ich etwas Entscheidendes über die Pubertät eines Hundes gelernt. Wenn man nicht untergehen möchte, braucht man Geduld und einen sehr  langen Atem. Denn die Zeit, in der der Sekundenzeiger meiner Uhr unermüdlich seine Runden drehte, verging langsam und ich fragte mich im Stillen, ob überhaupt noch etwas passieren würde. Aber dann, nach sage und schreibe siebzehn Minuten, als ich schon gar nicht mehr damit gerechnet habe, geschah das Unerwartete. Luna wollte ihr Futter und knickte ein. Sie nahm den Ball ins Maul und brachte ihn mir. Von da an klappte es wieder mit dem Apportieren im Hauseingang.

Nach einer Weile gingen wir wieder raus vor die Haustüre. Auch dort apportierte Luna den Ball zuverlässig. Ein wenig später arbeiteten wir uns so nach und nach ein kleines Stückchen auf dem Bürgersteig entlang. An dem Punkt, an dem Luna nicht mehr ihr Bällchen zu mir brachte, ging es dann wieder in ein paar Meter näher ans Haus zurück und es war erstaunlich zu sehen, dass Luna den Ball sofort wieder zuverlässig zu mir trug. Ohne die Hundeschule wäre ich überhaupt nicht auf die Idee gekommen, dass es notwendig sein kann, sich in kleinen Schritten bis zur Wiese vorzuarbeiten.

Mein kleiner Pubertier hat ausserdem entdeckt, dass er sehr viele Jagdhundgene in sich traegt. Sein Tatendrang muss nun konsequent mit der Schleppleine eingeschraenkt werden, bis der Abruf tadelos sitzt.

Einen Tag später mussten wir mit dem Apportieren wieder vor der Haustüre anfangen. Dafür konnten wir uns in kleinen Schritten ein ganzes Stück weiter auf dem Bürgersteig entlang in Richtung Wiese vorarbeiten. Dieses Üben auf den Bürgersteig werde ich ein wenig intensiver betreiben, weil es nämlich auch eine wunderbare Gelegenheit ist, dass ruhige Sitz zu üben, wenn kleinere Kinder oder Bekannte an uns vorbei gehen. Denn bei diesen Gelegenheiten führt Luna gerne einen ähnlichen Stepptanz auf, wie sie ihn an unserer Wohnungstür zum Besten gab, bevor wir ihr es erfolgreich abgewöhnt haben.